„Der überdurchschnittliche Einsatz der Start-Ups dient uns allen“

Die Zürcher Kantonalbank ist der grösste Start-Up-Förderer der Schweiz und finanziert als solchen auch den ZKB Pionierpreis Technopark. Und dies aus Überzeugung. Schliesslich seien innovative Firmen die Zukunft unserer Wirtschaft, sagt der Präsident des Bankrats, Jörg Müller-Ganz.

 

Herr Müller-Ganz, die Zürcher Kantonalbank hat schon zahlreiche Jungunternehmer unterstützt. Was zeichnet diese Menschen aus?

Sie sind neugierig, unkonventionell, zielorientiert, beharrlich und stellen Bewährtes in Frage. Es sind kluge Köpfe, die sowohl mit der Fähigkeit gesegnet sind, innovative Lösungen zu entwickeln, als auch mit einem Gespür für allenfalls noch nicht sichtbare Marktbedürfnisse.

 

Weshalb unterstützt die Zürcher Kantonalbank den ZKB Pionierpreis Technopark?

Wenn Innovation die Umwandlung von Geld in Wissen ist, lässt sich der unternehmerische Erfolg als die Umwandlung dieses Wissens in Geld definieren. Allerdings brauchen Jungunternehmen an diesem Scheitelpunkt risikofähiges Kapital, um mit der Umwandlung von Wissen in geschäftlichen Erfolg überhaupt anfangen zu können. Auf diesen Punkt fokussiert die Zürcher Kantonalbank mit ihrer Start-up-Finanzierung.

 

Mit welchem Ziel?

Unsere Ambition ist, dass daraus Firmen entstehen, die neue Arbeitsplätze generieren. Seit 2005 hat die Zürcher Kantonalbank über 180 Firmen unterstützt, welche zusammen mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Das ist qualitatives Wachstum, die unserer Volkswirtschaft nützt. Innovative Firmen sind die Zukunft unserer Wirtschaft.

 

Sind Sie sicher, dass die jungen Unternehmer mit dem Preisgeld aus dem ZKB Pionierpreis Technopark etwas Sinnvolles machen? Der Sieger bekommt knapp 100’000 Franken.

Preisgelder in dieser Höhe sind für Start-ups eine willkommene Finanzierungsform ohne Verpflichtungen jedwelcher Art. Die meisten Jungunternehmer sind sehr fokussiert. Aus Erfahrung weiss ich, dass die Preisgelder sinnvoll eingesetzt werden. Beispielsweise erinnere ich mich an einen Preisträger, der mit dem Geld einen Prototyp der von ihm konzipierten Maschine bauen konnte.

 

Die ZKB-Finanzspritze ist bei den jungen Unternehmerinnen und Unternehmern sehr willkommen. Ist es in der Schweiz derart schwierig, für gute Ideen Geld zu erhalten?

Es ist tatsächlich nicht einfach. Sowohl für Venture Kapital wie auch für die klassische Kreditfinanzierung fehlt in der Startphase der unternehmerischen Tätigkeit ein spezifischer Erfolgsausweis, weshalb Jungunternehmer ausserhalb ihrer Familie kaum Kapital erhalten. Da schliessen wir mit unseren Start-up-Finanzierungen und dem ZKB Pionierpreis Technopark eine wichtige Lücke.

 

Wie können Politik und Wirtschaft Jungunternehmen in der Schweiz noch besser fördern?

Die Rahmenbedingungen sind grundsätzlich gut; doch das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten: Bezüglich der Kapitalbesteuerung von noch nicht Gewinn schreibenden Jungunternehmen wurden jüngst erfreuliche Fortschritte erzielt. Trotzdem: Gerade auch für Jungunternehmen sind Gesetze und Regulation einschnürend, sei es beispielsweise im Bauwesen, im Arbeitsrecht, in der Administration behördlicher Vorgaben oder im grenzüberschreitenden Güter- und Dienstleistungsverkehr. Kreative Köpfe werden mit allzu engen Vorgaben und Strukturen nicht kreativer. Eine langfristig nützliche Förderung von Jungunternehmen ist, ihnen möglichst viel Kapazität, Zeit und Geld für ihre Innovationen und deren Umsetzung in ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu lassen. Die Zürcher Kantonalbank als Teil der Wirtschaft trägt dazu bei.

 

Wie?
Durch die Mitfinanzierung eines fruchtbaren Bodens, auf dem unternehmerische Innovation überhaupt erst wachsen kann. Deshalb unterstützen wir mit Überzeugung unsere Hochschulen, Technologieparks und Gründungszentren im Kanton. Wichtig scheint mir darüber hinaus, dass unsere Gesellschaft unternehmerischen Aktivitäten die gebührende Wertschätzung schenkt; dient doch der überdurchschnittliche Einsatz von Kapital, Zeit und Energie von einzelnen letztlich uns allen!

 

  
 
Zur Person:
 
Dr. oec. HSG Jörg Müller-Ganz wurde 2007 in den Bankrat der Zürcher Kantonalbank gewählt. Im Oktober 2010 folgte die Wahl ins Präsidium. Von 1992 bis 2010 war er als Berater, Geschäftsführer und Partner bei der Helbling-Gruppe tätig. Daneben war er Dozent an verschiedenen Hochschulen für Corporate-Finance-Themen. Zuvor arbeitete er für die Bank Vontobel und die Credit Suisse. Weiter ist er Mitglied des Verwaltungsrats Opo Oeschger AG, Kloten.

 

„Geld muss man suchen, wenn man es noch nicht braucht“

Daniel Schoch ist neu in der Pionierpreis-Jury. Als Leiter Start-up Finance bei der ZKB kennt er die finanziellen Probleme von Jungunternehmen. Sich um Investoren zu bemühen, wenn die Kasse schon leer ist, sei zu spät, betont er.

 

Daniel Schoch, welches ist Ihre Motivation, sich im Rahmen des Pionierpreises für Jungunternehmen zu engagieren?

Sich mit Start-ups zu beschäftigen, heisst, sich mit der Welt von morgen zu beschäftigen. Wie werden wir in Zukunft die Probleme von heute lösen können? Diese und ähnliche Fragen finde ich äusserst spannend. Möglichst viele dieser Antworten in der Schweiz zu finden und die Lösungen zu kommerzialisieren sollte unser Ziel sein. Mit dem Pionierpreis können wir die besten Start-ups und Ideen unterstützen. Der Anlass ist ein Schaufenster für die jungen Unternehmen.

 

Die Zürcher Kantonalbank unterstützt Start-ups in vielfältiger Weise. Weshalb?

Wir sehen in Start-ups zukünftige KMU und Grossunternehmen. Die Schweiz, insbesondere auch Zürich, ist in der Forschung weltweit auf einer Spitzenposition. Es ist in unser aller Interesse, dass der Transfer dieser hervorragenden Forschung in die Wirtschaft gelingt und neue Arbeitsplätze entstehen. Daher hat sich die Zürcher Kantonalbank auf die Fahne geschrieben, junge Unternehmen besonders zu unterstützen – vom kleinen Gewerbebetrieb bis hin zum High-Tech Start-up.

 

Als Leiter Start-up Finance bei der ZKB wissen Sie, welches in finanzieller Hinsicht die grössten Probleme von Jungunternehmern sind. Können Sie dazu etwas sagen?

Das offensichtliche Problem ist und bleibt natürlich, von Investoren die Mittel zur Finanzierung zusammenzubringen. In einer frühen Phase gelingt dies oft noch vergleichsweise „einfach“, wodurch sich die Unternehmer in falscher Sicherheit wiegen können. Bei grösseren Beträgen – ab ein paar Millionen Franken – kann das Fundraising dann plötzlich schwieriger werden. Es hilft deshalb, früh auch Investoren an Bord zu holen, die ihr Engagement noch ausweiten können.

 

Welche Fehler von Jungunternehmern sind im Bereich Finanzierung die häufigsten?

Zum Teil fehlt es an einer objektiven und realistischen Planung. Wird die erwartete Entwicklung konstant viel zu positiv dargestellt, leidet das Vertrauensverhältnis zum Investor. Dies führt nur zu Enttäuschungen und schadet der langfristigen Zusammenarbeit. Offene Kommunikation ist zentral.

Ausserdem bleibt zu berücksichtigen, dass der Weg zum Erfolg immer länger dauert als geplant.

 

Was heisst das für die Jungunternehmer?

Es gilt, Reserven einzuplanen, sowohl bezüglich des Liquiditätspolsters als auch zeitlich für die Gespräche mit Investoren. Wir treffen immer wieder Unternehmen, deren Mittel bei Kontaktaufnahme schon beinahe verbrannt sind. Zu solch einem Zeitpunkt Investoren zu kontaktieren ist zu spät. Geld sollte man suchen, wenn es noch nicht benötigt wird.

 

Was raten Sie Start-Ups mit einer guten Idee, aber wenig Geld?
Klappern sie zuerst Verwandte und Bekannte ab. Dies ist zugleich auch das erste Pitch-Training.

Anschliessend heisst es, mit einem strukturierten Prozess Investoren anzugehen und den Pitch zu professionalisieren. Bezüglich Start-up-Unterstützung hat sich zum Glück in den letzten Jahren in der Schweiz vieles getan. Es sind zahlreiche Organisationen, wie Inkubatoren, Accelerators usw. entstanden, die Start-ups in diesen Fragen unterstützen.

 

Was muss ein Start-up Ihrer Meinung nach mitbringen, um gedeihen zu können?

An erster Stelle steht das Team. Dieses muss überzeugen und die nötigen Fähigkeiten vereinen. Mit einem guten Team aus mutigen und engagierten Gründern mit Führungsqualitäten und einer klaren Vision hat selbst eine mittelmässige Idee eine Chance. Ein zweiter wichtiger Punkt ist sicher das Produkt. Möglichst früh sollte dessen Markterfolg getestet und auf Basis des Feedbacks optimiert werden.

  

 

Zur Person:

Daniel Schoch ist Leiter Start-up Finance bei der Zürcher Kantonalbank und Fachmann in den Bereichen Seed und Early Stage Finance, High Tech Startups, Corporate Finance und Banking.

 

„Start-ups sollen einfach mal probieren!“

Viele Start-ups entwickeln an ihren Kunden vorbei“, sagt Christof Bühler. Das langjährige Mitglied der Pionierpreis-Jury sieht dies als eines der grossen Probleme der Jungunternehmer ist. Er plädiert dafür, schon frühzeitig Resultate auf dem Markt zu erzielen – und die künftigen Kunden ganz genau zu beobachten.

 

Christof Bühler, Sie engagieren sich schon seit vielen Jahren in der Pionierpreis-Jury. Weshalb?

In erster Linie, weil ich ein sehr neugieriger Mensch bin und es mich Wunder nimmt, was an der Vorfront der Innovation passiert. Es ist, wie wenn ich junge Pflänzchen beim Wachsen beobachten könnte. Das ist toll! Ausserdem habe ich das Gefühl, dass ich den Jungunternehmern aufgrund meiner eigenen Karriere Tipps zum guten Gelingen mit auf den Weg geben kann.

 

Inwiefern?

Selber habe ich zwar nie ein Start-up gegründet, jedoch besteht meine ganze Karriere aus immer wieder neuen Starts in ganz unterschiedlichen Gebieten. Ich habe als Primarlehrer angefangen, später Elektrotechnik an der ETH studiert und in Biomedizinischer Technik doktoriert. Danach bin ich dann im 5-Jahres-Rhythmus zwischen Forschung, Wirtschaft und Industrie im In- und Ausland hin- und her gehüpft. Es war und ist mir wichtig, mich selber immer wieder in komplett neue Situationen zu manövrieren.

 

Weshalb?

Weil ich der Meinung bin, dass man einfach mal probieren sollte: Die daraus gewonnenen praktischen Erfahrungen öffnen den Lösungsraum und liefern ein vertieftes Verständnis für den Markt. Natürlich braucht das Mut. Und es ist logisch, dass man jeden neuen Schritt mit Respekt angeht. Aber: Auf diesem Weg füllt sich das eigene „Rucksäckli“ immer mehr und der „Znüni“, den man daraus bekommt, wird immer vielfältiger und reichhaltiger.

 

„Einfach probieren.“ Ist es auch das, was Sie den Start-ups raten?

Ja, genau! Die Start-ups sollen möglichst schnell erste Resultate auf dem Markt erzielen. Viele möchten zuerst schon alle möglichen Anwendungsvarianten ihres Produkts oder ihrer Dienstleistung abdecken – Stichwort Happy Engineering – und verzögern, respektive verpassen dabei den richtigen Zeitpunkt für den Markteintritt. Ich plädiere dafür, hautnah den Kontakt zu potenziellen Kunden suchen und so schnell wie möglich sogenannte Friendly-Customer-Trials durchzuführen. Also realitätsbezogene Tests mit einer geschlossenen Gruppe möglicher zukünftiger Kunden. Und danach die Rückmeldungen zu nutzen. Und das möglichst nicht nur einmal. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.

 

Das tönt nach einem einfachen Erfolgsrezept.

Erfolge sind immer einzigartig, und damit gibt es natürlich kein Patentrezept. Aber ganz nahe am Kunden zu entwickeln bereitet oft vielen Jungunternehmern Mühe. Vor allem das richtige Zuhören und Zuschauen. Oft entwickeln sie an den Bedürfnissen ihrer potenziellen Kunden vorbei, weil ihnen ihre eigene Idee so gut gefällt. Dabei ist das Zuhören und Zuschauen so wichtig. Nur so erfährt man, was die späteren Kunden wirklich brauchen. Und oft bringt sorgfältiges Beobachten vor Ort mehr als 20 ausgefüllte Fragebogen.

 

Gibt es weitere Fehler, die Jungunternehmer häufig machen?

Ja. Viele sind mit sehr viel Herzblut dabei, vergessen aber, dass es nicht nur Herzblut und Einsatz braucht, um Erfolg zu haben. Die richtige Balance zwischen den verschiedensten Faktoren macht den Erfolg aus. Dazu gehören zum Beispiel auch das Marketing, die skalierbare Produktion, und der klare Entwicklungsfokus auf die notwendigen Kernkompetenzen. Outsourcing kann durchaus Sinn machen. Und das Allerwichtigste ist, mit ganz offenen und neugierigen Augen durch die Welt zu gehen, die Möglichkeiten für den Erfolg zu erkennen und diese Chance dann auch zu packen. 

  

 

Zur Person:

Dr. Christof Bühler ist Dept. Head Life Sciences & Physics bei Supercomputing Systems AG. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in Forschung und Entwicklung in den Bereichen Computer Technologie, Optik und Lasers, Biotechnologie, diagnostische Medizingeräte, sowie Screening Technologien in der pharmazeutischen Wirkstoffsuche.

 

„Es ist nun mal nicht jeder ein Bill Gates“

Norman Blank ist eines von sieben Mitgliedern der Pionierpreis-Jury. Er entscheidet also mit, wer am 3. Mai 2017 den begehrten Award und das Preisgeld von knapp 100’000 Franken bekommt. Im Interview erklärt der erfahrene Geschäftsmann, was es braucht, um als Start-up Erfolg zu haben – und was zu einer Bruchlandung führt.

 

Norman Blank, was macht für Sie ein besonders erfolgsversprechendes Start-up aus? 

Erstens muss ganz klar sein, was an der Geschäftsidee der Jungunternehmer neu und innovativ ist und welches Problem damit gelöst werden soll. Zweitens ist eine detaillierte Marktanalyse inklusive Patentanalyse und Eigentumsrechten für den Unternehmensstart essentiell. Die Gründer müssen wissen, wieviele Leute bereit sind, für ihr Produkt zu bezahlen. Gibt es keinen Markt für ihr Angebot, ist eine Bruchlandung vorprogrammiert. Drittens braucht es viel Unternehmergeist und ein überzeugendes Team.

 

Das heisst?

Ohne gutes Team ist auch eine tolle Geschäftsidee wenig Wert. Die Mitglieder müssen zu 200 Prozent aufeinander verlassen können und jeder muss ganz genau wissen, in welche Richtung das Unternehmen zielt. Voraussetzung dafür ist ein kompletter und konsistenter Businessplan und ein detaillierter Prozessablauf, der vom ganzen Team verstanden wird. Wichtig ist auch eine gewisse Bescheidenheit. Viele Jungunternehmer machen sich vor, sie seien die Schlausten der Welt. Aber es ist nun mal nicht jeder ein Bill Gates. Deshalb sollten sie sich frühzeitig einen Mentor suchen.

 

Weshalb?

Als Jungunternehmer braucht man Personen mit Erfahrung, die man jederzeit um Rat fragen kann. Als ich angefangen habe, hatte ich immer einen Pool von Menschen, an die ich mich mit Geschäftsfragen vertrauensvoll wenden konnte und die mir in schwierigen Situationen geholfen haben, den richtigen Weg zu gehen. Als Start-up muss man einerseits sehr fokussiert sein, andererseits aber auch sehr offen für Ratschläge von anderen. Damit haben viele Mühe.

 

Woran erkennen Sie das?

Wir von der Pionierpreis-Jury versuchen auch den Bewerbern, die nicht gewinnen, einen Schritt weiterzuhelfen. Und zwar mit genau solch wichtigen Ratschlägen und Tipps. Immer wieder stossen wir aber auf taube Ohren, weil die Enttäuschung bei den Jungunternehmern zu gross ist. Das ist schade. Wir betonen auch immer wieder, sie sollen es noch ein zweites oder drittes Mal versuchen, wenn sie bei der ersten Bewerbung scheitern. Denn oftmals sind ihre Ideen schlichtweg klasse!

 

Von anderen zu lernen lautet also ein Rat von Ihnen. Gibt es weitere?

Ja. Sichern Sie Ihre Idee ab bevor sie an die Öffentlichkeit gehen! Viele machen das nicht und geraten so sehr schnell in eine schwierige Rechtslage. Deshalb mein Tipp: Informieren Sie sich, wie die Patentlage aussieht. Sie müssen wissen, ob Sie sich im Vorgärtchen von anderen befinden oder nicht.

  

 

Zur Person:

Dr. Norman Blank war bis zu seiner Pensionierung 2015 bei der Sika Technology AG verantwortlich für die zentrale Forschung und Analytik und die Koordination von Forschungsprojekten. Er hat an der Universität Heidelberg Chemie studiert und 1980 am MPI für Kohlenforschung und am MPI für medizinische Forschung promoviert. Nach mehreren Jahren Industrietätigkeit in Deutschland und den USA wurde er 1991 Forschungsleiter Nordamerika für die Firma Sika. Ab 2001 arbeitete er als Chief Research and Alliances Officer in Zürich.

 

Der Pionierpreis als Erfolgs-Boost

Im vergangenen April gewann das Start-up Nomoko den Pionierpreis 2016. Nilson Kufus, Co-Founder des Unternehmens, kann es heute noch nicht glauben, wie schnell sich seine Firma seither entwickelt hat. Durch den Pionierpreis wurde die Nomoko AG nicht nur bekannt, sondern auch interessant – sowohl bei Investoren als auch bei potenziellen Kunden. Sein Rat an andere Start-ups: Unbedingt für den Pionierpreis 2017 bewerben!

boa_6006_rgb

 

Nilson Kufus, Sie haben im April 2016 den Pionierpreis des Technoparks und der ZKB gewonnen. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Sehr viel. Die Anerkennung der unabhängigen, professionellen Jury gibt uns die Gewissheit und das Selbstvertrauen, dass wir an einer Innovation arbeiten, die tatsächlich etwas verändern könnte auf dieser Welt.

 

Was hat sich mit dem Preis für Sie verändert?

Es war der Startschuss für die öffentliche Präsenz unserer Firma Nomoko. Meinungsbildner, Investoren und potenzielle Kunden wurden auf uns aufmerksam. Denn es gab Zeitungsartikel und wir wurden in die Top100 Startups der Schweiz aufgenommen. Dies brachte zusätzliche Präsenz in der Öffentlichkeit – ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zum Erfolg.

 

Die Teilnahme hat sich für Sie also gelohnt?

Natürlich. Wenn ich uns als Firma vor einem Jahr und heute vergleiche, ist es unglaublich, was wir in dieser Zeit alles erreicht haben. Toll ist auch: Wir haben immer noch Kontakt mit den Jury-Mitgliedern des Pionierpreises. Dies bringt uns viel.

 

Wie haben Sie das Preisgeld von rund 100’000 Franken eingesetzt?

Wir haben es in die Firma investiert. In welches Projekt genau, ist im Moment noch geheim.

 

Was raten Sie anderen Start-ups, die sich überlegen, am Pionierpreis teilzunehmen?

Unbedingt anmelden! Ich erinnere mich noch daran, wie ich bei der Anmeldung Zweifel hatte. Nie hätte ich gedacht, dass wir diesen Preis gewinnen könnten.

 

Box:

Die Nomoko AG

Die Nomoko AG entwickelt die automatisierte Erstellung von „Artifical Reality.“ Das bedeutet photorealistische 3D-Modelle mit integrierten Metadaten wie Objekterkennung, Materialien und Lichtbedingungen. Kurz: Eine digitale Kopie der Realität. Technologisch ermöglicht wird dies einerseits durch die Nomoko-Kamera, welche die 150-fache Auflösung eines iPhones besitzt, andererseits durch die Nomoko-3D-Software. Die potenzielle Kundschaft reicht von Hollywood über Virtual und Augmented Reality bis hin zu selbstfahrenden Autos oder Herstellern von Computerspielen.

Der Pionierpreis ist ein Türöffner

Der Pionierpreis, welcher jedes Jahr vom Technopark und der Zürcher Kantonalbank vergeben wird, ist einer der wichtigsten Innovationspreise der Schweiz – und ein wertvoller Türöffner für Start-ups. Wer sich das begehrte Qualitätslabel sichern will, muss aber nicht nur ein innovatives Projekt präsentieren, sagt Jurymitglied Rolf Huber im Interview. 

 

„Wir wollen das Feuer in den Augen sehen!“

Am 3. Mai 2017 vergibt der Technopark und die Zürcher Kantonalbank wieder den begehrten Pionierpreis. Jurymitglied Rolf Huber – selber erfolgreicher Unternehmer und Verwaltungsratspräsident der Firma H2 Energy – erklärt im Interview, was ein Start-up braucht, um Chancen auf den Sieg und das Preisgeld von rund 100’000 Franken zu haben.

 

Rolf Huber, Sie sind Jurymitglied beim Pionierpreis. Weshalb haben Sie diese Aufgabe übernommen?

Einerseits macht es mir grossen Spass, die neuen Ideen und Projekte der Start-ups zu sehen und die spannenden Persönlichkeiten dahinter kennenzulernen. Andererseits möchte ich auf diesem Weg etwas zurückgeben. Ich habe in meiner Karriere als ETH-Ingenieur viel vom Wissen anderer profitieren dürfen. Nun möchte ich den Pionierpreis-Bewerbern etwas mit auf den Weg geben – auch denjenigen, die nicht gewinnen.

 

Was geben Sie ihnen mit?

Wir nehmen uns in der Pionierpreis-Jury viel Zeit, um den ausgeschiedenen Start-ups zu erklären, weshalb es nicht für den Sieg gereicht hat. Vielfach scheitern die Firmen nämlich an anderen Gründen als dass sie selber glauben. Wir versuchen ihnen mit unseren Tipps aufzuzeigen, woran sie arbeiten müssen. Damit möchten wir ihre Erfolgschancen erhöhen.

 

Woran scheitern denn die Start-ups?

Oft an strategischen Aspekten: Es gibt vielleicht keinen Markt für ihr Produkt, das Risiko einer Patentrechtsverletzung ist gross oder das Kosten-Preisgefüge stimmt nicht. Tatsache ist: auch wenn etwas im Labor funktioniert, ist man trotzdem noch sehr weit weg vom Geld verdienen. Das ist vielen jungen Unternehmern nicht bewusst. Aber es ist nun mal so. Am Schluss muss jemand das Produkt kaufen!

 

Was muss ein Start-up-Unternehmen denn mitbringen, um Chancen auf den Pionierpreis zu haben?

Der Gesamteindruck muss stimmen. Die Idee muss Sinn machen, einfach erklärbar sein und funktionieren. Und natürlich muss es eine Innovation sein. Ausserdem müssen die Jungunternehmer überzeugend sein. Wir wollen das Feuer in ihren Augen sehen! Erst dieses Feuer macht einen Pionier nämlich aus. Das kann man nicht lernen. Man ist es, oder man ist es nicht.

 

Das heisst, die Einstellung und die Motivation der Unternehmer ist Ihnen genauso wichtig wie ihre Geschäftsidee?

Ja. Vielfach sind sich die Leute nicht bewusst, wie wichtig die weicheren Kriterien wie der „Spirit“ sind. Wir wollen den Pionier spüren. Das beginnt schon bei der Bewerbung. Wenn sich diese liest wie eine Steuererklärung kann sie nicht begeistern. Wichtig ist uns aber auch die gesellschaftliche Dimension.

 

Was heisst das?

Die Idee der Unternehmer soll die Gesellschaft weiterbringen. Wenn jemand etwas gegen das Quietschen eines Stuhls erfindet, ist das zwar nett, verändert die Gesellschaft aber nicht. Ausserdem findet man nur dann einen Sponsor, wenn man mit einer Idee ernsthafte Probleme löst.

 

dsc_0206_1 

Zurück zum Pionierpreis. Was bringt dieser einem Start-up?

Der Pionierpreis ist in jeder Hinsicht ein Türöffner. Mit dem Qualitätslabel können die Unternehmer potenziellen Investoren, Kunden und Partnern beweisen, dass sie schon einmal von Fachleuten beurteilt und auserwählt wurden. Das macht es zum Beispiel einfacher bei Finanzierungsfragen. Ausserdem vergrössert sich das Netzwerk. Namhafte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik sowie Journalisten werden auf das Start-up aufmerksam.

 

Was raten Sie den Bewerbern für den Pionierpreis 2017?

Sie sollen sicherstellen, dass sie uns als Jury eine Gesamtsicht geben. Eine Erfolgsrechnung einzureichen reicht nicht, das ist kein Businessplan. Ausserdem sollen sie sich als Team gut verkaufen. Wichtig ist auch, dass sie ihre Erwartungen hinterfragen um sicherzustellen, ob sie realistisch sind. Grundsätzlich freuen wir uns aber über jede Bewerbung und finden es schade, dass sich jeweils nicht noch mehr Start-ups bewerben.

 

Wieso ist das so?

Einige haben wohl Vorbehalte und denken, dass wir nur Bewerber von der ETH oder der EPFL ernst nehmen. Das ist aber nicht so. Unabhängig von ihrer Herkunft nehmen wir jede Bewerbung ernst und versuchen, objektiv zu beurteilen, ob die Idee bzw. der Geschäftsplan Substanz hat oder nicht.

 

 

Die Bewerbungsfrist für den Pionierpreis 2017 läuft noch bis am 12. Oktober 2016. www.pionierpreis.ch/bewerbung

Interview als PDF