„Der überdurchschnittliche Einsatz der Start-Ups dient uns allen“

Die Zürcher Kantonalbank ist der grösste Start-Up-Förderer der Schweiz und finanziert als solchen auch den ZKB Pionierpreis Technopark. Und dies aus Überzeugung. Schliesslich seien innovative Firmen die Zukunft unserer Wirtschaft, sagt der Präsident des Bankrats, Jörg Müller-Ganz.

 

Herr Müller-Ganz, die Zürcher Kantonalbank hat schon zahlreiche Jungunternehmer unterstützt. Was zeichnet diese Menschen aus?

Sie sind neugierig, unkonventionell, zielorientiert, beharrlich und stellen Bewährtes in Frage. Es sind kluge Köpfe, die sowohl mit der Fähigkeit gesegnet sind, innovative Lösungen zu entwickeln, als auch mit einem Gespür für allenfalls noch nicht sichtbare Marktbedürfnisse.

 

Weshalb unterstützt die Zürcher Kantonalbank den ZKB Pionierpreis Technopark?

Wenn Innovation die Umwandlung von Geld in Wissen ist, lässt sich der unternehmerische Erfolg als die Umwandlung dieses Wissens in Geld definieren. Allerdings brauchen Jungunternehmen an diesem Scheitelpunkt risikofähiges Kapital, um mit der Umwandlung von Wissen in geschäftlichen Erfolg überhaupt anfangen zu können. Auf diesen Punkt fokussiert die Zürcher Kantonalbank mit ihrer Start-up-Finanzierung.

 

Mit welchem Ziel?

Unsere Ambition ist, dass daraus Firmen entstehen, die neue Arbeitsplätze generieren. Seit 2005 hat die Zürcher Kantonalbank über 180 Firmen unterstützt, welche zusammen mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Das ist qualitatives Wachstum, die unserer Volkswirtschaft nützt. Innovative Firmen sind die Zukunft unserer Wirtschaft.

 

Sind Sie sicher, dass die jungen Unternehmer mit dem Preisgeld aus dem ZKB Pionierpreis Technopark etwas Sinnvolles machen? Der Sieger bekommt knapp 100’000 Franken.

Preisgelder in dieser Höhe sind für Start-ups eine willkommene Finanzierungsform ohne Verpflichtungen jedwelcher Art. Die meisten Jungunternehmer sind sehr fokussiert. Aus Erfahrung weiss ich, dass die Preisgelder sinnvoll eingesetzt werden. Beispielsweise erinnere ich mich an einen Preisträger, der mit dem Geld einen Prototyp der von ihm konzipierten Maschine bauen konnte.

 

Die ZKB-Finanzspritze ist bei den jungen Unternehmerinnen und Unternehmern sehr willkommen. Ist es in der Schweiz derart schwierig, für gute Ideen Geld zu erhalten?

Es ist tatsächlich nicht einfach. Sowohl für Venture Kapital wie auch für die klassische Kreditfinanzierung fehlt in der Startphase der unternehmerischen Tätigkeit ein spezifischer Erfolgsausweis, weshalb Jungunternehmer ausserhalb ihrer Familie kaum Kapital erhalten. Da schliessen wir mit unseren Start-up-Finanzierungen und dem ZKB Pionierpreis Technopark eine wichtige Lücke.

 

Wie können Politik und Wirtschaft Jungunternehmen in der Schweiz noch besser fördern?

Die Rahmenbedingungen sind grundsätzlich gut; doch das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten: Bezüglich der Kapitalbesteuerung von noch nicht Gewinn schreibenden Jungunternehmen wurden jüngst erfreuliche Fortschritte erzielt. Trotzdem: Gerade auch für Jungunternehmen sind Gesetze und Regulation einschnürend, sei es beispielsweise im Bauwesen, im Arbeitsrecht, in der Administration behördlicher Vorgaben oder im grenzüberschreitenden Güter- und Dienstleistungsverkehr. Kreative Köpfe werden mit allzu engen Vorgaben und Strukturen nicht kreativer. Eine langfristig nützliche Förderung von Jungunternehmen ist, ihnen möglichst viel Kapazität, Zeit und Geld für ihre Innovationen und deren Umsetzung in ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu lassen. Die Zürcher Kantonalbank als Teil der Wirtschaft trägt dazu bei.

 

Wie?
Durch die Mitfinanzierung eines fruchtbaren Bodens, auf dem unternehmerische Innovation überhaupt erst wachsen kann. Deshalb unterstützen wir mit Überzeugung unsere Hochschulen, Technologieparks und Gründungszentren im Kanton. Wichtig scheint mir darüber hinaus, dass unsere Gesellschaft unternehmerischen Aktivitäten die gebührende Wertschätzung schenkt; dient doch der überdurchschnittliche Einsatz von Kapital, Zeit und Energie von einzelnen letztlich uns allen!

 

  
 
Zur Person:
 
Dr. oec. HSG Jörg Müller-Ganz wurde 2007 in den Bankrat der Zürcher Kantonalbank gewählt. Im Oktober 2010 folgte die Wahl ins Präsidium. Von 1992 bis 2010 war er als Berater, Geschäftsführer und Partner bei der Helbling-Gruppe tätig. Daneben war er Dozent an verschiedenen Hochschulen für Corporate-Finance-Themen. Zuvor arbeitete er für die Bank Vontobel und die Credit Suisse. Weiter ist er Mitglied des Verwaltungsrats Opo Oeschger AG, Kloten.