Die Wirkung des Preises war gewaltig

Das Bild oben zeigt das ultraleichte Solarmodul von Flisom auf dem gebogenen Dach eines Gebäudes in den Niederlanden. Die Firma Flisom AG gewann 2006 den ZKB Pionierpreis Technopark. Sie stellt dünne, leichte und hocheffiziente Solarzellen her, die man z.B. auch auf nicht-tragenden Elementen fixieren kann. Hierdurch eröffnen sich Anwendungen bei Behausungen und Geräten, die gar keine massiven tragenden Elemente aufweisen (z.B. auf Dächern und Fassaden von Gebäuden, Transportfahrzeugen, aber auch im Weltraum).

Das 6-köpfige Team von damals hielt mit viel Ausdauer und Resilienz an seinem Weg fest. Inzwischen beschäftigt Flisom gut 140 Mitarbeitenden, 75 davon an seinem Hauptsitz in Niederhasli im Kanton Zürich.

Dr. Tiwari, erinnern Sie sich noch, wie es damals, 2006, war, als Sie den ZKB Pionierpreis Technopark erhielten?

Ja und wie. Ich kann gar nicht genug betonen, was für einen gewaltigen Effekt das damals auf uns hatte, vor allem psychologischer Art. Ich hatte meine Gruppe von Doktoranden an der ETH Zürich und wir waren alles Akademiker. Diese Anerkennung zeigte uns damals, dass unsere Ideen Hand und Fuss hatten und von einer breiten Fachjury als sehr vielversprechend eingeschätzt wurden. Dies war für uns überhaupt nicht selbstverständlich und hat unser Selbstbewusstsein extrem gestärkt und sehr viel Ehrgeiz und Willenskraft mobilisiert.

Das war also eine grosse Party, die Sie damals feiern konnten?

Oh ja. Wir waren fast etwas irritiert, dass wir so viel Aufmerksamkeit bekamen, und dieser Riesenanlass stattfand, bei dem wir im Mittelpunkt standen. Es war auch ein komisches Gefühl. Wir waren ja knapp bei Kasse und wussten, dass wir für unser Projekt sehr viel Geld benötigten. Und da fand gleichzeitig diese aufwändige Party für uns statt (Anm: Das Preisgeld betrug seinerzeit lediglich 1000 x PI CHF, also 3’141.59 CHF). Wir hätten einerseits das Geld lieber in unsere Firma gesteckt, aber wir realisierten schnell, dass diese Aufmerksamkeit, die wir dadurch erhielten, viel wichtiger war. Wir waren plötzlich sehr sichtbar und knüpften wichtige Kontakte, damals.

Flisom ist eine Firma, mit grossem Investitionsbedarf. Ich nehme an, diese Herausforderung hat die Firma bis heute begleitet?

Das war in der Tat extrem schwierig. Wir hatten am Anfang einen Business Angel, und sie war wirklich ein Engel für uns, da sie stets an uns glaubte. Wir hatten damals auch keine Patente angemeldet, da es einerseits sehr viel Geld gekostet hätte und andererseits hätte es uns gezwungen, ein wichtiges Betriebsgeheimnis aufzugeben. Aufgrund unseres akademischen Austauschs mit anderen Gruppen wussten wir, dass wir etwas Einzigartiges hatten. In Publikationen Anderer wurden unsere Module oft als Benchmark herangezogen. Die Suche nach Investoren hat das aber in der Tat nicht erleichtert.

Wie haben Sie dann schliesslich Geld gefunden?

Für uns war klar, dass wir keinen „Quick-Win“ mit konventionelleren Technologien wollten, was die meisten Investoren bevorzugt hätten. Wir hatten die Firma gegründet, um etwas Innovatives für neue Möglichkeiten zu machen. Leichte, flexible Solarzellen mit hoher Effizienz. Wir waren auch vom globalen Nachhaltigkeitsgedanken getrieben und davon, was für einen Einfluss solche Solarzellen in Industrieländern wie auch in Entwicklungsländern hätten. Schliesslich fanden wir einen Investor mit industriellem Hintergrund, die Tata Group und einen Schweizer Private Equity Investor, die diese Mission und Vision teilten. 

Das ist eine grosse internationale Gruppe. Wie konnte Flisom durch den Standort in der Schweiz profitieren?

Zum einen war dies der Umzug an die EMPA. Den Austausch und die Möglichkeiten, die wir dort hatten, waren exzellent. Zum anderen war dies eine recht spezielle Entwicklung, die ich erklären muss:
Wir realisierten damals, dass wir sehr teure Maschinen kaufen mussten und diese nicht einmal für unsere Prozesse ideal gewesen wären. Wir entschieden uns damals die Maschinen dann selbst zu entwickeln und zu bauen. Auch hier wurden wir durch unseren Investor unterstützt, ihm war es recht, weniger Anlagekapital in der Bilanzsumme zu haben. Aber das war auch ein recht kühner Schritt. Niemand in unserem Team hatte jemals eine grosse Maschine zusammengebaut. Aber wir haben es mit Geduld und Ausdauer hinbekommen. Ich denke eben, dieser Schritt war sehr Schweizerisch und die Mentalität des Teams hat hier geholfen, Spass daran zu haben, selbst etwas Optimales zu bauen, statt etwas zu kaufen, das nur einigermassen passt.

Wo steht Flisom heute?

Technisch sind wir da, wo wir hinwollten. Wir konnten ein Werk in Ungarn aufbauen für die Produktion der Solarmodule. Ich habe mich aus dem operativen Geschäft wieder etwas zurückgezogen. Die Herausforderungen sind seit einigen Jahren in der Akquise und der Markterschliessung. Dies ist ebenfalls nicht einfach und ich bin froh, dass hier andere Leute die operative Verantwortung übernehmen, die das können.

Lockerlassen und Aufgeben gibt’s nicht

Das Bild zeigt die Optotune Gründer Mark Ventura, David Niederer und Manuel Aschwanden bei der Übergabe des ZKB Pionierpreis Technopark im Jahr 2009. Vor 12 Jahren schon hat Optotune den ZKB Pionierpreis Technopark gewonnen. Seitdem ist die Firma auf sage und schreibe 180 Mitarbeitende angewachsen und unterhält Standorte in Dietikon, der Slowakei und Taiwan. Die Firma ist deshalb ein gutes Beispiel für einen unserer sehr erfolgreichen Preisträger. Im Interview mit den Gründern wollten wir den Grund dieses Erfolgs etwas besser verstehen.

Manual Aschwanden, CEO, co-founder

Mark Ventura, Vice President Sales & Marketing, co-founder

David Niederer, Vice President Research & Development, co-founder

 Könnt Ihr Euch noch an die Preisverleihung erinnern?

Natürlich. Auch wenn es schon 13 Jahre her ist, können wir uns noch sehr gut an den schönen Event im Technopark erinnern. Bei der Preisverleihung weiss man ja nie, ob man gewinnt und es ist immer ein sehr emotionales Erlebnis, einen solchen Preis zu gewinnen. Was uns besonders in Erinnerung geblieben ist, war der Networking Apero nach der Preisverleihung wo wir mit sehr vielen Investoren ins Gespräch gekommen sind. M.A

Was hat es Euch gebracht, in der damaligen Situation?

Das Preisgeld hat es uns ermöglicht, ohne Investoren erste Erfolge zu erzielen, konkret Bau von Prototypen, Einreichen erste Patente. Dank dem finanziellen Polster konnten wie die Investorensuche in Ruhe angehen und schlussendlich sogar eine Finanzierungslösung mit einem strategischen Kunden finden. M.V

Wie seht Ihr den Preis (persönlich) mit anderen Preisen, die Ihr erhalten habt?

Der Pionierpreis war absolut seriös, aber zum Vorteil der Gründer sehr effizient aufgesetzt. Gelder, die a-fonds-perdu gesprochen werden, können voll eingesetzt werden. M.V

Ausgezeichnet wurde die Firma seinerzeit für die Entwicklung von adaptiven Linsen mit variabler Brennweite. Inwieweit spielt dieses Produkt heute noch eine Rolle in der Firma und was hat Euch bewogen, auch auf andere Produkte in das Portfolio mit aufzunehmen?

Die Flüssiglinsen sind nach wie vor unser Kerngeschäft, wo wir unangefochten den Markt anführen und weiter innovieren. Optik umfasst ein breites Spektrum an Anwendungen, wo im Verkauf und oft auch in der Produktion Synergien und Ideen entstehen. So sind wir immer wieder auf spannende Problemstellungen gestossen, die noch nicht optimal gelöst sind. Gerne kombinieren wir unsere Kenntnisse in Optik und Aktorik um kompakte, performante und zuverlässige Lösungen zu finden, wenn es darum geht Licht dynamisch zu steuern (‚dynamic light control‘). M.V

Gibt es Tipps, wie Ihr es erreicht habt, so zu wachsen?

Gas geben! Es geht darum, dass sich jeder in jeder Situation und Fragestellung darum bemüht, stets das Allerbeste zu geben, nach besten Wissen und Gewissen. Lockerlassen und Aufgeben gibts nicht. Damit werden irgendwann die Resultate auch sichtbar: ein gutes und starkes Team, die richtigen Kunden in den richtigen Märkten, die wir mit den richtigen Produkten beliefern dürfen. D.N

Wie war die persönliche Umstellung für die Gründer, von einem kleinen familiären Team zu einem KMU mit HR, autonomen Teams, internationalen Standorten etc. Hattet Ihr dabei Unterstützung?

Wir waren und sind alle – zusammen mit der Firma – in einem intensiven Wachstumsprozess und damit immer wieder mit Änderungen und neuen Situation konfrontiert. Ich nehme an ich spreche hier für alle Gründer: die vielen Gelegenheiten wo wir ein Ziel erreicht haben, eine Lösung für ein Problem gefunden haben, oder aber auch gemeinsam eine schwierige Situation durchstanden haben, waren und sind Momente die unser Leben sehr stark bereichern und uns sicherlich prägen. Dabei ist natürlich neben den Beziehungen im beruflichen Umfeld auch unser privates Umfeld und insbesondere die eigene Familie sehr wichtig und Basis um diesen Weg erfolgreich gehen zu können. D.N

Was sind die gegenwärtigen Herausforderungen für Optotune?

Wenn wir mal von Corona und dessen direkten Konsequenzen und Unsicherheiten absehen gibt es da mehrere schöne Herausforderungen, mit denen wir uns beschäftigen dürfen. Da wäre insbesondere das Thema Wachstum und Produktivität. Wir erwarten längerfristig steigende Verkaufszahlen, die wir mit der aktuellen Infrastruktur noch nicht angemessen bedienen können – entsprechend sind wir dabei uns in verschiedenen Bereichen besser zu positionieren. Aber auch Themen wie «digitalisierte Produktion und Organisation», «langfristige Sicherung der Innovation» oder die geopolitische Lage zwischen USA und China sind aktuell. D.N

Wie stark ist Optotune seit dem Pionierpreis gewachsen und expandiert?

Optotune hat momentan etwa 180 Mitarbeiter. Diese sind verteilt auf den Hauptsitz in Dietikon, einen Entwicklungs- und Produktionsstandort in der Slovakei und Verkaufsbüros in Asien. M.A

Was ist die Mission und Vision von Optotune?

Unsere Mission ist es das Leben der Menschen, mit Hilfe von Innovationen in dynamischer Lichtsteuerung, zu bereichern. Die Vision von Optotune ist es, die Lösung der Wahl für optische Systeme zu sein, welche dynamische Lichtsteuerung benötigen. M.A

Welchen Rat können Sie jungen Schweizer Tech-Start-ups geben?

Als Unternehmer durchlebt man ständig ein Wechselbad der Gefühle mit unglaublichen Erfolgen jedoch auch vielen Rückschlägen. Deshalb soll man Erfolge feiern und Rückschläge nicht persönlich nehmen. M.A

Optotune develops and manufactures industry shaping active optical components that allow customers around the globe to innovate. Founded in 2008, we started out with our core technology of focus tunable lenses, which was inspired by the working principle of the human eye. Laser speckle reducers, 2D mirrors, tunable prisms and beam shifters are further additions to our product lines. Thanks to our deep understanding of optics and mechanics and a passion for technology, Optotune is your ideal partner when it comes to solving challenges where conventional optics fail.