Ausstellung „20 Jahre ZKB Pionierpreis Technopark“

Seit dem 19. August 2021 kann man sie im Technopark Zürich begutachten und sie wird ca. bis zum 10. September 2021 zu sehen sein, die Ausstellung 20 Jahre ZKB Pionierpreis Technopark.

Hier erfährt man in der Eingangshalle des Technopark Zürich alles über die Preisträger der letzten 20 Jahre wie sich der Preis über die letzten 20 Jahre verändert hat.  Selbstverständlich werden hier auch die diesjährigen Finalisten und nach der Preisverleihung am 25.8. auch der Gewinner vorgestellt.

Schauen Sie vorbei, es lohnt sich!

Tausende Arbeitsplätze geschaffen

Er gilt als einer der wichtigsten Innovationspreise in der Schweiz und als eine bedeutende Auszeichnung für Jungunternehmen: der mit rund 100‘000 Franken dotierte ZKB Pionierpreis Technopark. Seit 20 Jahren wird er jährlich von der Zürcher Kantonalbank und der Stiftung Technopark Zürich verliehen.

Anlässlich des Jubiläums haben wir uns mit Jörg Müller-Ganz (Bankpräsident), Daniel Schoch (Jurymitglied und ehemaliger Teamleiter Start-up Finance) und Fabian Bamert (Teamleiter Start-up Finance) von der Zürcher Kantonalbank unterhalten.

Jörg Müller-Ganz, welche Rolle spielt der ZKB Pionierpreis Technopark für Start-ups?

Eine wichtige, denn der Pionierpreis prämiert Projekte am Übergang von einer innovativen Idee zur Marktfähigkeit. An diesem Punkt sind Start-ups in der Regel noch weit davon entfernt, Gewinn zu schreiben. Hinzu kommt, dass die Sicherung einer Finanzierung in dieser Phase nicht einfach ist. Kurz: Die Liquiditätssituation ist angespannt. Hier schafft der Pionierpreis Abhilfe. Die rund 100’000 Franken für den Gewinner und je 10’000 Franken für den Zweit- und Drittplatzierten helfen bei der Aufbesserung der Startkasse.

 

Was bietet der Preis ausserdem?

Eine Bühne, auf der sich Start-ups in der Öffentlichkeit präsentieren können. An der Preisverleihung nehmen etwa namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft sowie verschiedene Medienvertreter teil. Hinzu kommt die breite Publizität. Der ZKB Pionierpreis Technopark hat damit eine riesige Hebelwirkung.

 

Hat er auch eine volkswirtschaftliche Relevanz?

Auf jeden Fall. Die Preisträger der vergangenen 20 Jahre haben zusammen Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen.

 

Warum engagiert sich die Zürcher Kantonalbank im Bereich Start-up-Förderung?

Die Zürcher Kantonalbank steht zu 100 Prozent im Eigentum der Zürcher Bevölkerung. Im Gesetz, das die Tätigkeiten der Bank vorgibt, heisst es: Neben der Führung einer Universalbank soll die Zürcher Kantonalbank den Kanton bei der Lösung seiner Aufgaben in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft unterstützen.

 

Wie erfüllt die Zürcher Kantonalbank diesen Zweck im Bereich Forschung und Innovation?

Konkret sind wir in vier unterschiedlichen Bereichen engagiert. Als Grundlage fördern wir Hochschulen in Zürich mit erheblichen finanziellen Mitteln. Daneben sind wir Hauptsponsorin der Innovations- und Technoparks im Kanton. Zudem unterstützen wir verschiedene Institutionen, die Start-ups auf ihrem Weg in die Wirtschaft helfen.

 

Und viertens?

Seit fünfzehn Jahren unterstützt die Zürcher Kantonalbank als eine der grössten und aktivsten Investorinnen in der Schweiz Start-ups mit Risikokapital. Aktuell haben über 250 innovative Jungunternehmen Eigenkapital von der Zürcher Kantonalbank erhalten. Mit einem Wachstumsfonds bieten wir institutionellen Anlegern schliesslich die Möglichkeit für Direktbeteiligungen an Start-ups in einer späteren Phase.

 

Daniel, seit fünf Jahren sitzt du in der Jury des ZKB Pionierpreises Technopark – eine Gruppe von erfahrenen Experten aus verschiedensten Fachgebieten. Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Spannend und gleichzeitig sehr intensiv. Übers Jahr verteilt sitzen wir an mehreren jeweils sechsstündigen Sitzungen zusammen, besprechen die eingereichten Bewerbungen und diskutieren angeregt.

 

Du hast die Bewerbungsmappen erwähnt. Wie stark musst du dich sich als Jurymitglied einarbeiten, um die Idee und deren Potenzial zu verstehen?

Die Jury nimmt sich jeweils viel Zeit, sich in die Anträge zu vertiefen und ein umfassendes Verständnis der Unternehmen zu entwickeln. Bei forschungsbasierten Geschäftsideen tauchen wir darum auch in die wissenschaftlichen Grundlagen ab. Für diese Deep Dives teilen wir die Start-ups unter den Jurymitgliedern auf – je nach Interessen und Know-How. Der Zeitfaufwand ist also beträchtlich. Dies ist aber auch notwendig, um den Unternehmerinnen und Unternehmern gerecht zu werden.

               

Das Ziel der Jury: Zunächst eine Top-10-Auswahl und später eine Top-3-Auswahl nominieren. Schliesslich geht es ums Küren eines Gewinners. Müssen die Entscheidungen einstimmig sein?

Nein, bei der Entscheidungsfindung ist schon jede Konstellation vorgekommen. Teils entscheiden wir einstimmig, teils braucht es einen Stichentscheid. Unser Ziel ist aber, dass nach der Diskussion alle hinter dem Beschlossenen stehen können.

 

Nun stehen die diesjährigen Finalisten fest, die am 25. August auf den Preis hoffen dürfen: die FenX AG, die matriq AG und die Planted Foods AG. Ist bereits bekannt, wer gewinnen wird?

Den Jurymitgliedern schon, wir haben unsere Entscheidung bereits getroffen. Diese wird die Öffentlichkeit aber erst am 25. August anlässlich der Preisverleihung erfahren.

 

Fabian, seit März 2021 leitest du die Start-up-Abteilung der Zürcher Kantonalbank. Du bist täglich in der Start-up-Szene unterwegs. Warum ist es wichtig, sie zu fördern und innovative Ideen zu unterstützen?

Je reibungsloser die Drehscheibe zwischen den Start-ups und den Kapitalgebern funktioniert, desto besser sind die Effekte für die Volkswirtschaft. Ein einwandfrei funktionierendes Start-up-Umfeld ist insbesondere vor dem Hintergrund des sich laufend akzentuierenden Technologiewandels und internationalen Wettbewerbs um die besten und kreativsten Köpfe im Start-up-Umfeld ein elementarer Bestandteil für eine erfolgreiche Zukunft des Wirtschaftsstandortes Schweiz.

 

Und was konkret ist der Beitrag der Zürcher Kantonalbank?

Die Schweiz verfügt über eine ausgezeichnete Hochschullandschaft, aus welcher Jahr für Jahr zukunftsweisende Start-ups hervorgehen. Nur: Diese generieren anfänglich keine Cash-Flows. Deshalb sind sie auf Investoren angewiesen. Hier springen wir ein: Seit dem Jahr 2005 hat die Zürcher Kantonalbank Start-ups mit mehr als 180 Millionen Franken Risikokapital unterstützt. Mit den über 3’000 neugeschaffenen Arbeitsplätzen haben wir massgeblich zur Entwicklung des hiesigen Ökosystems beigetragen. Darauf sind wir stolz.  

 

Daniel, du übergibst die Jury-Aufgaben für den ZKB Pionierpreis Technopark ab September an Fabian. Was kann er erwarten?

Fabian darf sich auf zahlreiche angeregte und spannende Diskussionen in einem kollegialen Gremium mit Spezialisten aus verschiedenen Bereichen freuen. Ich wünsche ihm viele bereichernde Momente und eine gute Portion Freude an seiner neuen Aufgabe.

 

Fabian, auf was freust du dich am meisten als künftiges Jurymitglied des ZKB Pionierpreis Technopark?

Einerseits auf den Selektionsprozess mit meinen Jury-Kolleginnen und -Kollegen. Anderseits bin ich total gespannt auf die Personen, die hinter den besten und innovativsten Schweizer Lösungen stecken.

Die Finalisten – Planted Foods

Die Planted Foods AG wurde 2019 gegründet. Bei unserem Besuch der Firmen in ihrem Hauptsitz in Kemptthal hat uns beeindruckt, dass wir uns bereits in einer richtigen Fabrik wiederfanden, mit Produktionsstrasse, Verpackungsanlagen, etc. 

In unserem Video seht ihr, wie der Gründer Lukas Böni plant, sich mit der Fleischindustrie mit gleich langen Spiessen zu messen. 

Die Firma setzte sich unter anderem als Finalistin durch, weil sie eine Technologie entwickelt hat, die es erlaubt Proteinstrukturen herzustellen, die der Textur und Konsistenz von verschiedenen Fleisch- und Fischsorten sehr nahe kommen. 

Die Finalisten – matriq

Die matriq AG vertritt die Ostschweiz im Kanon unserer Finalisten. Wir besuchten die Firma in ihrem Sitz im Startfeld St. Gallen. 

Der CEO André Bernard möchte mit seiner Erfindung Kunststoffbauteile eindeutig rückverfolgbar machen und Fälschungen vorbeugen.

Die Firma konnte sich aus verschiedenen Gründen als Finalistin durchsetzen. Es beeindruckte die meisterhafte Ingenieursleistung, die es ermöglicht, die Markierung direkt in den Produktionsprozess einzubinden. Auch die Breite der Anwendungsmöglichkeiten spielte eine Rolle bei der Entscheidung. 

Die Finalisten – FenX

Die FenX AG wurde im Mai 2019 als Spin-off der ETH gegründet. Wir besuchten die Firma in ihrem Sitz im Campus Hönggerberg der ETH Zürich. Das junge Team von 8 Mitarbeitenden hat uns sehr beeindruckt und es war schön zu sehen, wie sie trotz aller harter Arbeit Spass an der Sache hatten.

In unserem Video seht ihr, wie der CEO Etienne Jeoffroy die Dämmstoffindustrie revolutionieren möchte.

Die Firma konnte sich aus verschiedenen Gründen als Finalistin durchsetzen. Neben der Dynamik des Teams und der innovativen, pionierhaften Lösung spielte es auch eine Rolle, dass sie durch ihre Innovation eine Innovation in der eher konservativen Bauindustrie wagen und des Weiteren, dass ihr Produkt ein perfektes Beispiel für Kreislaufwirtschaft ist.

20 Jahre ZKB Pionierpreis Technopark

Seit 20 Jahren honoriert die ZKB zusammen mit dem Technopark Zürich Pionierinnen und Pioniere, die den Mut haben, nicht nur an neuen technischen Lösungen zu tüfteln und sie zu perfektionieren, sondern auch die notwendigen Schritte wagen, dass sie als Produkt verkauft werden. Dabei übernehmen sie Verantwortung für Mitarbeitende, die bei ihnen in Lohn und Brot stehen.

Dies möchten wir feiern, indem wir Geschichten, Anekdoten und Erfahrungen zusammentragen, die während 20 Jahren ZKB Pionierpreis Technopark aufgefallen sind.

Geschichten über die Gewinnerinnen und Gewinner der letzten 20 Jahre (Was ist aus ihnen geworden?). Porträts der Jurymitglieder (Was motiviert sie?) und der Verantwortlichen (Was möchten sie bewirken?).

Wir starten diesen Blog an dem Tag, an dem die Top 11 Kandidaten für den ZKB Pionierpreis Technopark 2021 bekannt gegeben werden. Welche Start-Ups es in die Top 11 geschafft haben und was sie grossartiges machen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Schön, dass sie vorbeischauen! Eventuell sind Sie ja auch dabei, wenn am 25. August das nächste grosse Geheimnis gelüftet wird, wer den ZKB Pionierpreis Technopark 2021 gewinnt.

Bis dahin wünschen wir viel Spass beim Lesen.

Ihr ZKB Pionierpreis Technopark Team

 

Wie kommt man in die Jury?

Im letzten Jahr haben wir zwei neue Mitglieder der Jury des ZKB Pionierpreis Technopark bekommen. Da stellt sich die Frage, wie wir hier vorgehen und wie jemand in den Genuss kommt, in der Jury mitzuwirken. Generell zeichnet sich unsere Jury dadurch aus, dass sie einen hohen Grad verschiedenster Fachexpertisen aufweist, neben den allgemeinen Kenntnissen und Erfahrungen, die man braucht, um ein Start-up auf den Weg zu bringen.

Dies ist vielleicht ein Alleinstellungsmerkmal des ZKB Pionierpreis Technopark, aber wieso ist uns das so wichtig? Nun, generell sollte ein Team, dass sich für einen Jungunternehmerpreis, wie den ZKB Pionierpreis Technopark bewirbt, ihr Projekt so darstellen, dass der „technologische Kniff“, der die Grundlage des Projekts ist, von jedermann, oder zumindest von „technisch-naturwissenschaftlich ausgebildeten“ Personen verstanden wird. So wurde uns ja auch in letzter Zeit immer wieder die Funktionsweise von mRNA-Impfstoffen erklärt und viele von uns haben die Wirkungsweise wahrscheinlich auch verstanden.

Entscheidend ist aber, dass man die Innovationshöhe beurteilen kann, d.h. man sollte verstehen, wie schwer die Realisierung und der Weg zum Produkt ist, welche technischen Risiken es gibt, und vor allem, ob dies wirklich neu ist, oder vielleicht gegenüber konventionellen Ansätzen kaum Vorteile bringt. Wir glauben, dass dies nur jemand beurteilen kann, der sich auch fachlich regelmässig und seit Jahren in dem jeweiligen Bereich bewegt. Um beim Beispiel der mRNA Impfstoffe zu bleiben, muss die Jury unabhängig von den eingereichten Unterlagen beurteilen können, welche Vor- und Nachteile sie gegenüber herkömmlichen Vektor-Impfungen haben, ob es Besonderheiten bei der Zulassung gibt und wie lange hierzu schon Forschung betrieben wurde, bzw. was man bisher für Erfahrungen damit gemacht hat.

Ein Physiker oder Elektro-Ingenieur wird das so nicht ohne weiteres können, genauso wenig wie ein Biochemiker nicht die Neuartigkeit bestimmter Aktuatoren in der Robotik beurteilen kann. Darum setzen wir auf eine breit aufgestellte Fachjury. In diesem Sinne benötigten wir im letzten Jahr Kompetenzen im Bereich Chemie, Materialien und Produktionstechnologien und wir sind sehr glücklich mit Richard Haldimann und Jörg Müller hier zwei sehr kompetente Mitglieder gefunden zu haben, die auch die entsprechende Erfahrung als Unternehmer haben.

Wir finden solche Leute normalerweise über unser Netzwerk und das der bestehenden Jurymitglieder. 

Dr. Jörg Müller

CEO der Arcolor-Gruppe
Verschiedene Verwaltungsratsmandate bei international tätigen Firmen

Schwerpunkte/Kompetenzen

Chemische und Life Science Industrie, Labor-Instrumente für chemische Analytik und Life Science, Internationales Business, Produktentwicklung und Vermarktung 

Was macht für mich ein Pionier aus?

Erkennt und geht neue Wege, ist zielstrebig und lässt sich durch Rückschläge nicht vom Ziel abbringen. 

Dr. Richard F. Haldimann

Head Sustainability Transformation bei Clariant International AG

Schwerpunkte/Kompetenzen

20+ Jahre Erfahrung im Scouting, Zusammenarbeit mit und Inkubieren von Start-ups im Bereich Spezialitätenchemie

Was macht für mich ein Pionier aus?

Pioniere suchen die Herausforderungen dieser Welt und sehen diese als Chance. Sie sind in der Lage diese Chancen mit Überzeugungskraft einfach darzustellen und mit Neugier, Teamarbeit, Kreativität und einem langen Atem zu realisieren.  

 

Wie nehmen Sie ihr erstes Jahr in unserer Jury wahr?

„Der Aufwand ist wirklich enorm, am Anfang alle Dossiers gründlich zu studieren und die entsprechenden Hintergründe zu recherchieren“, sagt z.B. Jörg Müller. „Ich empfinde aber den Austausch im Team sehr wertvoll, vor allem da dort die Projekte von sehr unterschiedlichen Aspekten mit entsprechend diversifizierten Kompetenzen betrachtet werden“. Dem stimmt auch Richard Haldimann zu: „Ich bin und war in einer Vielzahl von Evaluationsgremien, auch mit Bezug zu Start-ups. Eine so geballte fachliche Kompetenz aus unterschiedlichen Bereichen ist mir dort aber noch nicht begegnet.“

In diesem Sinne hoffen wir, noch viele Jahre auf die Fachkompetenz und die unternehmerische Erfahrung von Richard Haldimann und Jörg Müller zählen zu können.

Dr. Emanuela Keller

Von der Preisgewinnerin zum Jurymitglied

Prof. Dr. Emanuela Keller ist die leitende Ärztin der neurochirurgischen Intensivstation am Universitätsspital Zürich. Ihr fortwährendes Streben nach immer wieder neuen und innovativen Behandlungsmethoden hat sie aber auch zur Unternehmerin gemacht. „Ich wollte damals Schlaganfallpatienten besser helfen können und habe neue Behandlungsmethoden gesucht.“ Sie gründete die Fima NeMoDevices im Jahr 2007 zusammen mit Partnern von der ETH Zürich und erhielt 2008 den ZKB Pionierpreis Technopark.

Emanuela Keller und Jürg Fröhlich präsentieren das neue Hirndurchblutungs-Messgerät. Foto von Adrian Baer, NZZ, 19. März 2008

Sie ist überzeugt, dass der volkswirtschaftliche Nutzen von wissenschaftlichen Erkenntnissen nur durch Unternehmertum realisiert werden kann. Aus diesem Grunde ist sie seit zwei Jahren Mitglied der Jury des Pionierpreis. „Beim Pionierpreis engagiere ich mich, um solch neue Entwicklungen zu fördern. Aus dem gleichen Grund bin ich auch Mitglied im Innovationsrat der Innosuisse. Ich habe selbst auch Forschungsgelder erhalten während meiner wissenschaftlichen Tätigkeit und möchte hier etwas zurückgeben.“

Emanuela geniesst aber auch die herausfordernde und kollegiale Atmosphäre in der Jury: „In der Jury ist das Fachwissen sehr komplementär. Es finden konstruktive und respektvolle Diskussionen statt, auch wenn wir nicht immer der gleichen Meinung sind. Dadurch finden wir uns aber am Schluss eigentlich immer.“ Ferner schätzt sie das interdisziplinäre Fachwissen der Jurykolleginnen und -kollegen: „Innovation entsteht, wenn mehrere Disziplinen zusammenkommen. In diesem Sinne habe ich damals auch die NeMoDevices als Neurointensivmedizinerin zusammen mit Spezialisten in der Elektronikentwicklung gegründet.“ 

Video: Unitectra.

Die Firma NeMoDevices heisst inzwischen Luciole Medical und nimmt erst jetzt richtig Fahrt auf, d.h. die Produktion wird langsam hochgefahren. Emanuela erinnert sich noch genau an die Preisverleihung: „Der Preis damals war sehr wichtig für uns. Einerseits bezüglich der Anerkennung und für unser Selbstbewusstsein. Er half aber auch konkret, Investoren zu finden. Generell hat er uns zum Weitermachen motiviert.“ 

In diesem Sinne können wir hoffentlich noch viele weitere Gewinner zum Weitermachen und «Durchbeissen» motivieren.

Die Wirkung des Preises war gewaltig

Das Bild oben zeigt das ultraleichte Solarmodul von Flisom auf dem gebogenen Dach eines Gebäudes in den Niederlanden. Die Firma Flisom AG gewann 2006 den ZKB Pionierpreis Technopark. Sie stellt dünne, leichte und hocheffiziente Solarzellen her, die man z.B. auch auf nicht-tragenden Elementen fixieren kann. Hierdurch eröffnen sich Anwendungen bei Behausungen und Geräten, die gar keine massiven tragenden Elemente aufweisen (z.B. auf Dächern und Fassaden von Gebäuden, Transportfahrzeugen, aber auch im Weltraum).

Das 6-köpfige Team von damals hielt mit viel Ausdauer und Resilienz an seinem Weg fest. Inzwischen beschäftigt Flisom gut 140 Mitarbeitenden, 75 davon an seinem Hauptsitz in Niederhasli im Kanton Zürich.

Dr. Tiwari, erinnern Sie sich noch, wie es damals, 2006, war, als Sie den ZKB Pionierpreis Technopark erhielten?

Ja und wie. Ich kann gar nicht genug betonen, was für einen gewaltigen Effekt das damals auf uns hatte, vor allem psychologischer Art. Ich hatte meine Gruppe von Doktoranden an der ETH Zürich und wir waren alles Akademiker. Diese Anerkennung zeigte uns damals, dass unsere Ideen Hand und Fuss hatten und von einer breiten Fachjury als sehr vielversprechend eingeschätzt wurden. Dies war für uns überhaupt nicht selbstverständlich und hat unser Selbstbewusstsein extrem gestärkt und sehr viel Ehrgeiz und Willenskraft mobilisiert.

Das war also eine grosse Party, die Sie damals feiern konnten?

Oh ja. Wir waren fast etwas irritiert, dass wir so viel Aufmerksamkeit bekamen, und dieser Riesenanlass stattfand, bei dem wir im Mittelpunkt standen. Es war auch ein komisches Gefühl. Wir waren ja knapp bei Kasse und wussten, dass wir für unser Projekt sehr viel Geld benötigten. Und da fand gleichzeitig diese aufwändige Party für uns statt (Anm: Das Preisgeld betrug seinerzeit lediglich 1000 x PI CHF, also 3’141.59 CHF). Wir hätten einerseits das Geld lieber in unsere Firma gesteckt, aber wir realisierten schnell, dass diese Aufmerksamkeit, die wir dadurch erhielten, viel wichtiger war. Wir waren plötzlich sehr sichtbar und knüpften wichtige Kontakte, damals.

Flisom ist eine Firma, mit grossem Investitionsbedarf. Ich nehme an, diese Herausforderung hat die Firma bis heute begleitet?

Das war in der Tat extrem schwierig. Wir hatten am Anfang einen Business Angel, und sie war wirklich ein Engel für uns, da sie stets an uns glaubte. Wir hatten damals auch keine Patente angemeldet, da es einerseits sehr viel Geld gekostet hätte und andererseits hätte es uns gezwungen, ein wichtiges Betriebsgeheimnis aufzugeben. Aufgrund unseres akademischen Austauschs mit anderen Gruppen wussten wir, dass wir etwas Einzigartiges hatten. In Publikationen Anderer wurden unsere Module oft als Benchmark herangezogen. Die Suche nach Investoren hat das aber in der Tat nicht erleichtert.

Wie haben Sie dann schliesslich Geld gefunden?

Für uns war klar, dass wir keinen „Quick-Win“ mit konventionelleren Technologien wollten, was die meisten Investoren bevorzugt hätten. Wir hatten die Firma gegründet, um etwas Innovatives für neue Möglichkeiten zu machen. Leichte, flexible Solarzellen mit hoher Effizienz. Wir waren auch vom globalen Nachhaltigkeitsgedanken getrieben und davon, was für einen Einfluss solche Solarzellen in Industrieländern wie auch in Entwicklungsländern hätten. Schliesslich fanden wir einen Investor mit industriellem Hintergrund, die Tata Group und einen Schweizer Private Equity Investor, die diese Mission und Vision teilten. 

Das ist eine grosse internationale Gruppe. Wie konnte Flisom durch den Standort in der Schweiz profitieren?

Zum einen war dies der Umzug an die EMPA. Den Austausch und die Möglichkeiten, die wir dort hatten, waren exzellent. Zum anderen war dies eine recht spezielle Entwicklung, die ich erklären muss:
Wir realisierten damals, dass wir sehr teure Maschinen kaufen mussten und diese nicht einmal für unsere Prozesse ideal gewesen wären. Wir entschieden uns damals die Maschinen dann selbst zu entwickeln und zu bauen. Auch hier wurden wir durch unseren Investor unterstützt, ihm war es recht, weniger Anlagekapital in der Bilanzsumme zu haben. Aber das war auch ein recht kühner Schritt. Niemand in unserem Team hatte jemals eine grosse Maschine zusammengebaut. Aber wir haben es mit Geduld und Ausdauer hinbekommen. Ich denke eben, dieser Schritt war sehr Schweizerisch und die Mentalität des Teams hat hier geholfen, Spass daran zu haben, selbst etwas Optimales zu bauen, statt etwas zu kaufen, das nur einigermassen passt.

Wo steht Flisom heute?

Technisch sind wir da, wo wir hinwollten. Wir konnten ein Werk in Ungarn aufbauen für die Produktion der Solarmodule. Ich habe mich aus dem operativen Geschäft wieder etwas zurückgezogen. Die Herausforderungen sind seit einigen Jahren in der Akquise und der Markterschliessung. Dies ist ebenfalls nicht einfach und ich bin froh, dass hier andere Leute die operative Verantwortung übernehmen, die das können.