„Es ist nun mal nicht jeder ein Bill Gates“

Norman Blank ist eines von sieben Mitgliedern der Pionierpreis-Jury. Er entscheidet also mit, wer am 3. Mai 2017 den begehrten Award und das Preisgeld von knapp 100’000 Franken bekommt. Im Interview erklärt der erfahrene Geschäftsmann, was es braucht, um als Start-up Erfolg zu haben – und was zu einer Bruchlandung führt.

 

Norman Blank, was macht für Sie ein besonders erfolgsversprechendes Start-up aus? 

Erstens muss ganz klar sein, was an der Geschäftsidee der Jungunternehmer neu und innovativ ist und welches Problem damit gelöst werden soll. Zweitens ist eine detaillierte Marktanalyse inklusive Patentanalyse und Eigentumsrechten für den Unternehmensstart essentiell. Die Gründer müssen wissen, wieviele Leute bereit sind, für ihr Produkt zu bezahlen. Gibt es keinen Markt für ihr Angebot, ist eine Bruchlandung vorprogrammiert. Drittens braucht es viel Unternehmergeist und ein überzeugendes Team.

 

Das heisst?

Ohne gutes Team ist auch eine tolle Geschäftsidee wenig Wert. Die Mitglieder müssen zu 200 Prozent aufeinander verlassen können und jeder muss ganz genau wissen, in welche Richtung das Unternehmen zielt. Voraussetzung dafür ist ein kompletter und konsistenter Businessplan und ein detaillierter Prozessablauf, der vom ganzen Team verstanden wird. Wichtig ist auch eine gewisse Bescheidenheit. Viele Jungunternehmer machen sich vor, sie seien die Schlausten der Welt. Aber es ist nun mal nicht jeder ein Bill Gates. Deshalb sollten sie sich frühzeitig einen Mentor suchen.

 

Weshalb?

Als Jungunternehmer braucht man Personen mit Erfahrung, die man jederzeit um Rat fragen kann. Als ich angefangen habe, hatte ich immer einen Pool von Menschen, an die ich mich mit Geschäftsfragen vertrauensvoll wenden konnte und die mir in schwierigen Situationen geholfen haben, den richtigen Weg zu gehen. Als Start-up muss man einerseits sehr fokussiert sein, andererseits aber auch sehr offen für Ratschläge von anderen. Damit haben viele Mühe.

 

Woran erkennen Sie das?

Wir von der Pionierpreis-Jury versuchen auch den Bewerbern, die nicht gewinnen, einen Schritt weiterzuhelfen. Und zwar mit genau solch wichtigen Ratschlägen und Tipps. Immer wieder stossen wir aber auf taube Ohren, weil die Enttäuschung bei den Jungunternehmern zu gross ist. Das ist schade. Wir betonen auch immer wieder, sie sollen es noch ein zweites oder drittes Mal versuchen, wenn sie bei der ersten Bewerbung scheitern. Denn oftmals sind ihre Ideen schlichtweg klasse!

 

Von anderen zu lernen lautet also ein Rat von Ihnen. Gibt es weitere?

Ja. Sichern Sie Ihre Idee ab bevor sie an die Öffentlichkeit gehen! Viele machen das nicht und geraten so sehr schnell in eine schwierige Rechtslage. Deshalb mein Tipp: Informieren Sie sich, wie die Patentlage aussieht. Sie müssen wissen, ob Sie sich im Vorgärtchen von anderen befinden oder nicht.

  

 

Zur Person:

Dr. Norman Blank war bis zu seiner Pensionierung 2015 bei der Sika Technology AG verantwortlich für die zentrale Forschung und Analytik und die Koordination von Forschungsprojekten. Er hat an der Universität Heidelberg Chemie studiert und 1980 am MPI für Kohlenforschung und am MPI für medizinische Forschung promoviert. Nach mehreren Jahren Industrietätigkeit in Deutschland und den USA wurde er 1991 Forschungsleiter Nordamerika für die Firma Sika. Ab 2001 arbeitete er als Chief Research and Alliances Officer in Zürich.