„Geld muss man suchen, wenn man es noch nicht braucht“

Daniel Schoch ist neu in der Pionierpreis-Jury. Als Leiter Start-up Finance bei der ZKB kennt er die finanziellen Probleme von Jungunternehmen. Sich um Investoren zu bemühen, wenn die Kasse schon leer ist, sei zu spät, betont er.

 

Daniel Schoch, welches ist Ihre Motivation, sich im Rahmen des Pionierpreises für Jungunternehmen zu engagieren?

Sich mit Start-ups zu beschäftigen, heisst, sich mit der Welt von morgen zu beschäftigen. Wie werden wir in Zukunft die Probleme von heute lösen können? Diese und ähnliche Fragen finde ich äusserst spannend. Möglichst viele dieser Antworten in der Schweiz zu finden und die Lösungen zu kommerzialisieren sollte unser Ziel sein. Mit dem Pionierpreis können wir die besten Start-ups und Ideen unterstützen. Der Anlass ist ein Schaufenster für die jungen Unternehmen.

 

Die Zürcher Kantonalbank unterstützt Start-ups in vielfältiger Weise. Weshalb?

Wir sehen in Start-ups zukünftige KMU und Grossunternehmen. Die Schweiz, insbesondere auch Zürich, ist in der Forschung weltweit auf einer Spitzenposition. Es ist in unser aller Interesse, dass der Transfer dieser hervorragenden Forschung in die Wirtschaft gelingt und neue Arbeitsplätze entstehen. Daher hat sich die Zürcher Kantonalbank auf die Fahne geschrieben, junge Unternehmen besonders zu unterstützen – vom kleinen Gewerbebetrieb bis hin zum High-Tech Start-up.

 

Als Leiter Start-up Finance bei der ZKB wissen Sie, welches in finanzieller Hinsicht die grössten Probleme von Jungunternehmern sind. Können Sie dazu etwas sagen?

Das offensichtliche Problem ist und bleibt natürlich, von Investoren die Mittel zur Finanzierung zusammenzubringen. In einer frühen Phase gelingt dies oft noch vergleichsweise „einfach“, wodurch sich die Unternehmer in falscher Sicherheit wiegen können. Bei grösseren Beträgen – ab ein paar Millionen Franken – kann das Fundraising dann plötzlich schwieriger werden. Es hilft deshalb, früh auch Investoren an Bord zu holen, die ihr Engagement noch ausweiten können.

 

Welche Fehler von Jungunternehmern sind im Bereich Finanzierung die häufigsten?

Zum Teil fehlt es an einer objektiven und realistischen Planung. Wird die erwartete Entwicklung konstant viel zu positiv dargestellt, leidet das Vertrauensverhältnis zum Investor. Dies führt nur zu Enttäuschungen und schadet der langfristigen Zusammenarbeit. Offene Kommunikation ist zentral.

Ausserdem bleibt zu berücksichtigen, dass der Weg zum Erfolg immer länger dauert als geplant.

 

Was heisst das für die Jungunternehmer?

Es gilt, Reserven einzuplanen, sowohl bezüglich des Liquiditätspolsters als auch zeitlich für die Gespräche mit Investoren. Wir treffen immer wieder Unternehmen, deren Mittel bei Kontaktaufnahme schon beinahe verbrannt sind. Zu solch einem Zeitpunkt Investoren zu kontaktieren ist zu spät. Geld sollte man suchen, wenn es noch nicht benötigt wird.

 

Was raten Sie Start-Ups mit einer guten Idee, aber wenig Geld?
Klappern sie zuerst Verwandte und Bekannte ab. Dies ist zugleich auch das erste Pitch-Training.

Anschliessend heisst es, mit einem strukturierten Prozess Investoren anzugehen und den Pitch zu professionalisieren. Bezüglich Start-up-Unterstützung hat sich zum Glück in den letzten Jahren in der Schweiz vieles getan. Es sind zahlreiche Organisationen, wie Inkubatoren, Accelerators usw. entstanden, die Start-ups in diesen Fragen unterstützen.

 

Was muss ein Start-up Ihrer Meinung nach mitbringen, um gedeihen zu können?

An erster Stelle steht das Team. Dieses muss überzeugen und die nötigen Fähigkeiten vereinen. Mit einem guten Team aus mutigen und engagierten Gründern mit Führungsqualitäten und einer klaren Vision hat selbst eine mittelmässige Idee eine Chance. Ein zweiter wichtiger Punkt ist sicher das Produkt. Möglichst früh sollte dessen Markterfolg getestet und auf Basis des Feedbacks optimiert werden.

  

 

Zur Person:

Daniel Schoch ist Leiter Start-up Finance bei der Zürcher Kantonalbank und Fachmann in den Bereichen Seed und Early Stage Finance, High Tech Startups, Corporate Finance und Banking.