Ich bin immer „gwundrig“ etwas neues zu lernen

Dr. Christof Bühler

Christof leitet die Abteilung Life Sciences & Physics bei Supercomputing Systems AG. Er hat Elektrotechnik an der ETH Zürich studiert und seitdem sowohl an Universitäten wie UIUC (Urbana-Champaign, Illinois), MIT (Boston) und PSI (Schweiz), wie auch in der Industrie bei der Novartis (Basel und Wien) gearbeitet. Er kann so auf eine 30-jährige Erfahrung in verschiedensten Technologiegebieten zurückblicken: Elektronik, Informatik, Computer Science, Medizinaltechnik, Sensorik, Mikrotechnik, etc. Seine Stärke ist in dieser Hinsicht auch die Bewertung der Interdisziplinarität und das Verbinden verschiedener Fachgebiete. Christof hat vor seinem Studium als Primarlehrer in Davos-Glaris (GR) gearbeitet.

Von den jetzigen Mitgliedern der Jury ist er am längsten dabei. Da hatten wir noch ein paar Fragen:

Wie lange bist Du schon Mitglied der Jury?

Das weiss ich gar nicht mehr so genau, auch bei mir vergeht die Zeit viel zu schnell. Etwa seit 7 oder 8 Jahren.

Wie viel Aufwand ist das für Dich jedes Jahr und warum machst Du das eigentlich?

Ich sage erst einmal, warum ich das mache: ich bin einfach „gwundrig“ und freue mich immer wieder etwas Neues zu lernen! In der Technologie bin ich ja zu Hause, aber bei der Arbeit in der Jury ist die Breite des Blickwinkels darüber hinaus spannend, den man anwenden muss: Ist das Projekt wirtschaftlich, ist der Businessplan realistisch und hat es eine gesellschaftliche Relevanz? Es ist hochinteressant sich hierüber Gedanken zu machen und die Standpunkte der anderen Jurymitglieder zu reflektieren. Der Aufwand ist in der Tat massiv. Um genügend in die unterschiedlichsten Materien eintauchen zu können, benötige ich pro Proposal sicher 1-2 Stunden. Das mache ich nicht nur aus Fairness den Bewerbenden gegenüber, sondern weil’s einfach spannend ist in neue Welten einzutauchen. Somit ist das meist jeweils eine gute Sonntagslektüre über einige Wochen (lacht). Hinzu kommt dann natürlich noch der Aufwand der Sitzungen selber.

Wie ist dabei die Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern?

Das ist einer der Gründe, weshalb es so viel Spass macht. Wir kommen aus unterschiedlichen Fachgebieten und haben verschiedene Hintergründe. Ich nehme da den Buchstaben ‚PI‘ (π) gerne als Symbol dafür: tiefes Verständnis über die ganze Breite. Man hat oben den Balken als breite Basis und von dort gehen zwei Striche tief nach unten. Diese stehen für mehrere Aspekte einer Bewerbung, in der wir als Jury tief eintauchen können. Das ist wirklich klasse. Ich geniesse dabei auch die intensiven Diskussionen. Wir sind ja nicht immer einer Meinung und fordern uns gegenseitig heraus. Auch dabei kommt es mir nicht darauf an, mit meiner Meinung zu gewinnen, sondern geniesse die Debatte und die verschiedenen Sichtweisen. Eben, es befriedigt mich in meiner „Gwundrigkeit“.

Vor Deinem Studium der Elektrotechnik warst Du Primarlehrer. Nimmst Du davon irgendetwas mit in die Jury?

Wie damals in der Schule als Primarlehrer fasziniert mich auch heute noch, wie ich möglichst gut diverse Aspekte verbinden und einem breiten Publikum komplexe Technologien erklären kann. Dabei reizt es mich auch verschiedene Denkweisen zu berücksichtigen, die jedes Individuum nun einmal hat. Zu sehen, dass es hinterher alle verstanden haben, geniesse ich immer noch.

Als wir Dich vor ein paar Jahren mal gefragt haben, was für Dich einen Pionier ausmacht, hast Du Folgendes geantwortet: Zukunft braucht Innovation … und damit freche/querdenkende Pioniere, die mit grossem Engagement an ihre Visionen glauben und diese kreativ und mutig umsetzen. Hat sich Deine Meinung hier verändert?

Eigentlich nicht, nur dass das Wort „querdenkend“ in letzter Zeit etwas seine Unschuld verloren hat (lacht). Für mich steht bei einem Pionier der Drang im Vordergrund „Ich kann und will mit meiner Idee etwas bewirken“. Und echte Pionier*innen zeigen dabei Passion, Leistung und Widerstandsfähigkeit. Beissen sich aber auch nicht fest, wenn sie oder er gegen eine Mauer rennt, die man nicht überwinden kann, sondern sie oder er sucht sich dann einen anderen Weg: so nach dem Motto «how fascinating». Wichtig ist auch, dass ein Pionier schneller als es ihr oder ihm wohl ist an den Markt geht und bereit ist, sich dort auch mal den Kopf anzustossen, nach dem Motto „Cross the River by Feeling the Stones“. Was für mich eher nicht funktioniert ist, wenn sich jemand dabei zu sehr auf prominente Vorbilder fokussiert, denen er oder sie nacheifern will. Die Geschichten von Elon Musk und Co. sind beeindruckende Anekdoten, die man nicht kopieren kann. Oder auf Bündnerdeutsch: «gon dina Wäg, aber blib gschmaidig!»

In diesem Sinne bedanken wir uns für Christofs Einsatz in diesem Jahr und hoffen, dass die diesjährigen Preisträger ihre eigenen Anekdoten schreiben werden. Es bleibt spannend, bis zur Preisverleihung am 11. Mai 2021 im Technopark Zürich.