Scewo AG. Mit dem BRO Leben verändern

Das junge Team der Scewo AG gewann im Jahr 2018 den ZKB Pionierpreis Technopark. Sie entwickeln den BRO, einen elektrischen Rollstuhl, der dem Nutzer ein aussergewöhnlich hohes Mass an Flexibilität und Autonomie bietet. Dies wird dadurch erreicht, dass er nur auf zwei Rädern fährt und den Fahrer ähnlich wie bei einem Segway ausbalanciert. Dadurch reagiert das Gefährt viel dynamischer. Der BRO kann aber auch Treppen steigen, oder seinen Benutzer näher an die oben liegenden Produkte im Supermarktregal heben.

Wir haben Bernhard Winter, Mitgründer und CEO, gefragt was aus ihm und seinem jungen Team geworden ist.

Sie haben den ZKB Pionierpreis Technopark 2018 gewonnen. Welche Bedeutung hatte und hat das für Sie?

Jeder Preis ist einzigartig. Für uns stand immer die Bestätigung für unsere Arbeit und unseren Effort im Vordergrund. Was wir am ZKB Pionierpreis Technopark besonders schätzten, war, dass das gesamte Team genau hierfür belohnt wurde. Und zugegeben: Damals war das für uns eine Menge Geld, das wir wertvoll in die Weiterentwicklung unserer Vision stecken durften.

Seit dem Gewinn des ZKB Pionierpreises Technopark sind mittlerweile fast 3 Jahre vergangen. Gibt es inzwischen „BRO-Fahrer?“

Im Juli vergangenen Jahres starteten wir mit der Auslieferung der ersten Geräte. Mittlerweile zählen wir BRO-Fahrer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zu unseren Kunden. Weiter konnten wir bereits Händler in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich als Partner gewinnen – und es kommen immer weitere dazu. Auch als Firma haben wir uns prima entwickelt. Obwohl wir erst vor einem Jahr in ein riesiges Büro umgezogen sind, platzt dieses bereits wieder aus allen Nähten. Die Scewo Family ist immerhin schon zu 26 Mitgliedern herangewachsen.

Was mussten Sie unternehmen, damit das alles passiert?  Das Ganze ist ja aus einem Fokus-Projek für Studierende an der ETH Zürich entstanden.

Nach dem ZKB Pionierpreis Technopark entwickelten wir einen weiteren Prototypen. Diesen nutzten wir, um Hunderte Testfahrten mit verschiedensten Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen zu machen. So gelang es uns, aus den gewonnenen Learnings das erste Serienmodell zu entwickeln. Das Grundprinzip des Rollstuhls ist das Gleiche geblieben. Das Serienmodell ist aber viel robuster gebaut und die Software des Rollstuhls und auch der App haben nochmals einen riesigen Sprung gemacht. BRO kann mittlerweile nicht nur viel mehr, sondern läuft auch stabiler als je zuvor. So ist aus dem Studierendenprojekt von damals ein richtiges Produkt geworden.

Das alles braucht viel Engagement und Biss. Woher haben sie den genommen?

Jeder BRO der unser Büro mit seinem neuen «Herrchen/Frauchen» verlässt, ist für uns ein besonderer Moment. Von den Abenteuern zu hören, die BRO-Fahrer nun neu (oder wieder) erleben können, erfüllt uns mit Stolz. Zwar können wir alleine keine barrierefreie Welt schaffen, aber wir können den Alltag von Rollstuhlfahrern vereinfachen und sie an Orte bringen, die zuvor als nicht zugänglich galten.

Das alles kostet etwas. Die 100’000 CHF vom ZKB Pionierpreis Technopark haben da ja wahrscheinlich nicht gereicht?

Natürlich haben wir Kapital aufgenommen. Bis heute sind wir ausschliesslich durch Privatinvestoren finanziert. Mit dem Markteintritt ist es nun wichtig, noch schneller zu skalieren. Deshalb bereiten wir uns gerade für die Investitionsrunde Series-A von 10 Mio. vor. Der Pionierpreis hat auf jeden Fall die Visibilität und Glaubwürdigkeit der Marke Scewo verstärkt. Zum Zeitpunkt, als wir den Pionierpreis gewannen, war das Geld aber effektiv wichtiger. Denn mit dieser Summe konnten wir nochmals einiges in unserer Entwicklung bewirken. Heute hilft uns der Brand «ZKB Pionierpreis Technopark» neue und vor allem wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Haben Sie generelle Tipps für den Erfolg eines Startups?

Ich würde behaupten, dass die Zusammenarbeit mit Kunden und Rollstuhlfahrern im Allgemeinen mitunter verantwortlich ist für unseren Erfolg. Unsere Kunden haben unser Gerät mitentwickelt – und darauf sind wir stolz. Auch heute sind sie noch immer unsere Experten, von denen wir enorm viel lernen.