„Start-ups sollen einfach mal probieren!“

Viele Start-ups entwickeln an ihren Kunden vorbei“, sagt Christof Bühler. Das langjährige Mitglied der Pionierpreis-Jury sieht dies als eines der grossen Probleme der Jungunternehmer ist. Er plädiert dafür, schon frühzeitig Resultate auf dem Markt zu erzielen – und die künftigen Kunden ganz genau zu beobachten.

 

Christof Bühler, Sie engagieren sich schon seit vielen Jahren in der Pionierpreis-Jury. Weshalb?

In erster Linie, weil ich ein sehr neugieriger Mensch bin und es mich Wunder nimmt, was an der Vorfront der Innovation passiert. Es ist, wie wenn ich junge Pflänzchen beim Wachsen beobachten könnte. Das ist toll! Ausserdem habe ich das Gefühl, dass ich den Jungunternehmern aufgrund meiner eigenen Karriere Tipps zum guten Gelingen mit auf den Weg geben kann.

 

Inwiefern?

Selber habe ich zwar nie ein Start-up gegründet, jedoch besteht meine ganze Karriere aus immer wieder neuen Starts in ganz unterschiedlichen Gebieten. Ich habe als Primarlehrer angefangen, später Elektrotechnik an der ETH studiert und in Biomedizinischer Technik doktoriert. Danach bin ich dann im 5-Jahres-Rhythmus zwischen Forschung, Wirtschaft und Industrie im In- und Ausland hin- und her gehüpft. Es war und ist mir wichtig, mich selber immer wieder in komplett neue Situationen zu manövrieren.

 

Weshalb?

Weil ich der Meinung bin, dass man einfach mal probieren sollte: Die daraus gewonnenen praktischen Erfahrungen öffnen den Lösungsraum und liefern ein vertieftes Verständnis für den Markt. Natürlich braucht das Mut. Und es ist logisch, dass man jeden neuen Schritt mit Respekt angeht. Aber: Auf diesem Weg füllt sich das eigene „Rucksäckli“ immer mehr und der „Znüni“, den man daraus bekommt, wird immer vielfältiger und reichhaltiger.

 

„Einfach probieren.“ Ist es auch das, was Sie den Start-ups raten?

Ja, genau! Die Start-ups sollen möglichst schnell erste Resultate auf dem Markt erzielen. Viele möchten zuerst schon alle möglichen Anwendungsvarianten ihres Produkts oder ihrer Dienstleistung abdecken – Stichwort Happy Engineering – und verzögern, respektive verpassen dabei den richtigen Zeitpunkt für den Markteintritt. Ich plädiere dafür, hautnah den Kontakt zu potenziellen Kunden suchen und so schnell wie möglich sogenannte Friendly-Customer-Trials durchzuführen. Also realitätsbezogene Tests mit einer geschlossenen Gruppe möglicher zukünftiger Kunden. Und danach die Rückmeldungen zu nutzen. Und das möglichst nicht nur einmal. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.

 

Das tönt nach einem einfachen Erfolgsrezept.

Erfolge sind immer einzigartig, und damit gibt es natürlich kein Patentrezept. Aber ganz nahe am Kunden zu entwickeln bereitet oft vielen Jungunternehmern Mühe. Vor allem das richtige Zuhören und Zuschauen. Oft entwickeln sie an den Bedürfnissen ihrer potenziellen Kunden vorbei, weil ihnen ihre eigene Idee so gut gefällt. Dabei ist das Zuhören und Zuschauen so wichtig. Nur so erfährt man, was die späteren Kunden wirklich brauchen. Und oft bringt sorgfältiges Beobachten vor Ort mehr als 20 ausgefüllte Fragebogen.

 

Gibt es weitere Fehler, die Jungunternehmer häufig machen?

Ja. Viele sind mit sehr viel Herzblut dabei, vergessen aber, dass es nicht nur Herzblut und Einsatz braucht, um Erfolg zu haben. Die richtige Balance zwischen den verschiedensten Faktoren macht den Erfolg aus. Dazu gehören zum Beispiel auch das Marketing, die skalierbare Produktion, und der klare Entwicklungsfokus auf die notwendigen Kernkompetenzen. Outsourcing kann durchaus Sinn machen. Und das Allerwichtigste ist, mit ganz offenen und neugierigen Augen durch die Welt zu gehen, die Möglichkeiten für den Erfolg zu erkennen und diese Chance dann auch zu packen. 

  

 

Zur Person:

Dr. Christof Bühler ist Dept. Head Life Sciences & Physics bei Supercomputing Systems AG. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in Forschung und Entwicklung in den Bereichen Computer Technologie, Optik und Lasers, Biotechnologie, diagnostische Medizingeräte, sowie Screening Technologien in der pharmazeutischen Wirkstoffsuche.